Fakultät für Chemie und Pharmazie

Gedenkveranstaltung am 29.01.15 zum 70. Jahrestag der Hinrichtung von Hans Leipelt

Am 29. Januar 1945 starb Hans Leipelt unter dem Fallbeil in München-Stadelheim. Er hatte im Wintersemester 1941/42 zur Fortsetzung seines Chemie-Studiums von Hamburg nach München gewechselt, verkehrte in oppositionellen Kreisen, verbreitete das sechste und letzte Flugblatt der "Weißen Rose" und sammelte Geld für die Familie von Prof. Kurt Huber, der vom NS-Regime hingerichtet worden war. Hans Leipelt und weitere Chemie-Studierende wurden denunziert.

Anlässlich des 70. Jahrestages der Hinrichtung von Hans Leipelt wird am Donnerstag, den 29. Januar 2015, an der Fakultät für Chemie und Pharmazie eine Gedenkveranstaltung stattfinden.

 

Deutsche Chemiker und individuelle Verantwortung in der NS-Zeit

“Auch wenn er nicht die körperliche Vernichtung [der Juden] meinte, erregte es mich, dass Schutzleute ihn ruhig hetzen ließen. Es ist erschütternd zu sehen, wie schnell jede Empfindung für Recht und Menschlichkeit verloren geht." Der Göttinger Organische Chemiker Adolf Windaus, Nobelpreisträger des Jahres 1928, schrieb dies unter dem Eindruck der antijüdischen Ausschreitungen im Frühjahr 1933. Im Unterschied zu einem großen Teil der deutschen Chemiker, die, sei es aus Überzeugung, Opportunismus oder Staatstreue, die NS-Politik unterstützten oder schweigend duldeten, lehnte Windaus die Politik der Nationalsozialisten explizit ab und erkannte die verheerende Wirkung der Vertreibung der jüdischen Wissenschaftler für die Wissenschaft in Deutschland. Auch sein Münchener Kollege Heinrich Wieland, Nobelpreisträger des Jahres 1927, unterwarf sich bestimmten politischen Regeln nicht und half verfolgten Menschen.

Hans Leipelt und seine Mutter Katharina Leipelt geb. Baron waren Chemiestudent bzw. Chemikerin. Katharina stammte aus einer jüdischen, zum Protestantismus konvertierten Familie. Beide entschieden sich, das nationalsozialistische Unrecht aktiv zu bekämpfen, indem sie den Protest der Weissen Rose unterstützten. Sie trafen diese Entscheidung zu einem Zeitpunkt, als sie und ihre Familie selbst von den Rassegesetzen betroffen waren; Hans reagierte auf diese Demütigungen “mit ohnmächtiger Wut und Aggressivität“ gegen das NS-Regime. Hans und Katharina bezahlten für ihren Protest mit ihrem Leben.

In Ihrem Vortrag wird Prof. Deichmann das Leben von Hans und Katharina Leipelt kurz beleuchten und Besonderheiten des chemischen Instituts in München, an dem Hans studierte, hervorheben. Daran anschließend wird Sie auf die Folgen der NS-Zeit fuer die Chemie in Deutschland eingehen und auf allgemeine Fragen der Möglichkeit und Grenzen individueller Verantwortung gegenüber einem Unrechtsregime eingehen.

Videos von der Veranstaltung

Do, 29. Januar 2015, Fakultät für Chemie und Pharmazie